Sonntag, 21. September 2014

Arequipa

Nun sind wir also in Peru, in der wunderschönen Stadt Arequipa (das wunderschön bezieht sich natürlich nur auf den Stadtkern, 2350 müM, ca. 900.000 Einwohner). Eine herrliche, großzügige Plaza, eine Kathedrale, viele beeindruckende Kirchen, Stadtpalais mit verwunschenen Innenhöfen und fantastischen Restaurants und für südamerikanische Verhältnisse erstaunlich sauber. Das Ganze mit den Vulkanen Chachani (6075 m) und  El Misti (5825 m) im Hintergrund. Die Häuser sind aus Sillar gebaut, einem nicht allzu harten Stein aus gepresster Vulkanasche, der aber elastisch genug ist die rund 150 Erdbeben täglich!! abzufedern. Die meisten dieser Beben sind so gering, dass man sie kaum spürt, das letzte schlimme Beben war 2001 und richtete große Schäden an, vor allem an der Kathedrale.
Die Ariquipeños sind sehr stolz und betrachten ihre Stadt als eine "freie Republik", sie distanzieren sich ganz gern vom restlichen Peru, mein Eindruck ist, das heißt vor allem frei von Verkehrsregeln. An jeder Kreuzung kann man im Minutentakt Beinaheverkehrsunfälle beobachten. Jeder fährt einfach in die Kreuzung, dem anderen vor die Nase bzw. Motorhaube, laut hupend und in letzter Sekunde doch noch bremsend. Aber sie haben hier ja alle Gottvertrauen. Taxiunternehmen heißen hier zum Beispiel Herz Jesu, alle Heiligen oder Heiliger Geist, Schutzengel haben hier auf jeden Fall rund um die Uhr Dienst.
Wir wohnen sehr gemütlich im Casa de Avila www.casadeavila.com, wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt, genießen den großen Garten und am Abend Perus Nationalgetränk Pisco Sour, über den sich Peruaner und Chilenen streiten, wer ihn erfunden hat und wer den besten macht.

Plaza de Armas mit Kathedrale

Café im Hinterhof

Kathedrale

El Misti

Kathedrale

Arkaden an der Plaza

Unser Hotel Casa de Avila

Innenhof

Autofahren in Arequipa

Arequipa

Plaza de Armas


Mittwoch, 17. September 2014

Titicacasee

Mit dem Bus ging es von La Paz nach Copacabana am Titicacasee. Zunächst durch El Alto, den hochgelegenen Teil von La Paz, der hauptsächlich von Indios bewohnt wird. Überall herrscht rege Bautätigkeit, man weiß allerdings nicht, ob es irgendwann mal fertiggebaut wird, oder ob es als Bauruine sein Dasein fristen wird. Zum Teil sind die Gebäude in einigen Stockwerken bezogen, dazwischen befinden sich Stockwerke im Rohbau. Als Schön kann man es auf jeden Fall nicht bezeichnen.
Auf dem Weg über das Altiplano, die Hochebene, tut es uns dann aber schon leid, dass wir nicht mit den Rädern unterwegs sind. Der Bus rollt durch wunderschöne, wenn auch karge Landschaft, im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der Kordilleren und immer wieder fantastische Ausblicke auf den tiefblauen Titicacasee, der ca. fünfzehnmal so groß wie der Bodensee ist und auf 3.800 müM liegt.
Copacabana ist ein kleiner und offensichtlich bei Althippies und jungen Möchtegernhippies beliebter Ort. Im touristischen Zentrum herrscht eine gewisse Woodstock Stimmung. Die Bars werden meist von Rastafaris betrieben, aber vom Pisco sour verstehen sie durchaus was.

Wir erklimmen als erstes den Kalvarienberg, von dem man einen grandiosen Ausblick auf den See haben soll. Leider ziehen ziemlich schnell dunkle Wolken auf, aber auf dem Rückweg werden wir wieder Zeuge wie sich Christentum und Inkareligion perfekt verbinden lassen. Die Damen die entlang des Kreuzwegs allerlei Devotionalien und Touristentand verkaufen "opfern" ihre Mülltüten Pachamama, will heißen schwups den Berg hinunter.
Eigentlich wollten wir eine Zweitagestour über die Isla del Sol unternehmen, aber es schüttet zunächst einmal und so hangeln wir uns von Indiofresstempel zu Kaffeebar (mit Motorölkaffee), zu Pisco Bar. Gott sei Dank klärt es am nächsten Tag schon wieder auf und wir machen uns auf den Yampupata Trek, einen Weg ans Ende der Copacabana Halbinsel. 17,5 km durch ganz ursprüngliches Bolivien, weit und breit kein Tourist, nur bei Chani gibt es ein paar nachgebaute Schwimmende Inseln, auf denen man sich frisch gefangene Titicacaseeforellen braten lassen kann. Wir laufen weiter
auf einem alten Inkatrail und gelangen ins kleine Dorf Sicuani. Dort ist gerade ein Patronatsfest ist im Gange. Eine Indio Band spielt auf, die Damen tanzen und uns wird sofort eine Schale mit Kartoffeln, Mais und Indio Schweinshaxn in die Hand gedrückt. Bis auf eine graue  Kartoffel war es richtig gut.

Am nächsten Tag folgt dann meine große Heldentat: zweieinhalb Stunden Bootsfahrt zur Isla del Sol! Dank wenig Seegang und massiven Einsatz von Weleda Anti-Spuck Tabletten bin ich nur mit einer Benzindampfvergiftung davon gekommen. Aber es hat sich gelohnt. Die wenigen alten Inkaruinen sind zwar nicht so beeindruckend, aber auf der Wanderung von Nord nach Süd über die Insel hat man großartige Ausblicke. Der alte Pfad ist hervorragend in Stand gesetzt, ab und zu gibt es kleine Steinhäuschen, in denen die Indiodamen Tee, Wasser und kleine Snacks verkaufen. Allerdings zahlt man auch dreimal Wegezoll, der angeblich der Inselschule und den Alten zu Gute kommt. Glauben
wir es mal.

Übrigens unsere Unterkunft, Aldea del Inca, recht hübsch, steht zum Verkauf. Wer also in 3800m Höhe in ein Objekt, ganz ohne Energiepass, Heizung gibt es eh nicht, Einfachverglasung und 5 cm Lüftungsschlitz unter der Haustür, investieren will: zugreifen!


Mit Doppelmayr zum Bus


Copacabana


Hafen von Copacabana


Kalvarienberg


Überfahrt am Titicacasee


Schwimmende Inseln bei Chani





Ausflugsboot, Thor Heyerdahl lässt grüßen





Indiofesttagsschmaus


Aufgespuilt werd!



Hafen von Copacabana


Isla del Sol



Isla del Sol


Isla del Sol


Isla del Sol





Kulinarisches und Kulturelles

Obwohl Bolivien mit über 230 Kartoffelsorten weltweit den Rekord hält, hat uns deren Zubereitung bisher nicht überzeugt. Meistens sind sie kalt und sehr trocken. Trockenfutter scheinen die Bolivianer überhaupt zu lieben, überall gibt es Riesensäcke voll mit Popcorn, gepoppten Weizen, gepoppten Nudeln und anderen gerösteten und aufgeblähten Getreidearten. Außerdem muss alles sehr farbenfroh sein. In den Konditoreien strotzt es nur so von Pink, Türkis, Dunkelblau und Grün. Wir haben bisher nur die schokoladigen Varianten probiert, nicht schlecht, aber sättigend für den ganzen Tag. Ansonsten gibt es natürlich alles was es bei uns auch gibt, zusätzlich halt noch Lamafleisch, sehr zart, und Meerschweinchen (haben wir noch nicht probiert, Testbericht folgt).
Ganz wichtig ist den Bolivianern ihr Mittagessen. Überall sind kleine Stände, wo sie sich mit Bergen von Kartoffeln, Reis, Mais und darüber etwas undefinierbares Zerhacktes sättigen. Dazu trinken sie Chicha, eine Art Saft in dem irgendein Stück Trockenobst schwimmt, schaut ein bisschen aus wie die eingelegten missgebildeten Embryos in der Pathologischen, schmeckt aber recht gut. Gewöhnungsbedürftig ist der Kaffee. Man bekommt ein kleines Kännchen mit Kaffeekonzentrat, das sehr an altes Motoröl erinnert und dazu ein großes Kännchen heißen Wassers und man mischt sich dann ganz nach Gusto seinen Kaffee.
Die gesamte Kultur ist stark indianisch geprägt, verschmolzen mit Katholizismus. So wird z.B. bei jeder kirchlichen Feier auch Pachamama (Mutter Erde) gedacht und ein bisschen Wein oder Bier auf die Erde geschüttet. Ob der ganze Müll, der überall einfach die Böschung oder den Berg runter gekippt wird, auch eine Opfergabe ist, sei dahingestellt.
Hier in Copacabana am Titcacasee kommen jedes Wochenende die Indios, um ihre Autos segnen zu lassen. Vor dem Kirchplatz gibt es extra zwei markierte Spuren, wo sie ihre geliebten, klapprigen, fahrbaren Untersätze aufreien, mit frischen Blumen, Girlanden, bunten Hüten! Und allerlei Schnickschnack schmücken. Der Pfarrer segnet dann alles und jeden, lässt sich noch mit der ganzen Familie fotografieren und zu guter letzt wird noch Sekt über die Autos gekippt, alles in der Hoffnung auf immer gute Fahrt. Ein guter Mechaniker wäre vielleicht auch hilfreich.



Forelle in der Markthalle





Chicha, das Nationalgetränk








Autosegnung


















Mittwoch, 10. September 2014

Heute sind wir schon ganz gut akklimatisiert und so stürzen wir uns in das Gewühl der Tausend Marktstände, die überall entlang der Straßen und Gassen alles verkaufen vom getrockneten Lamaembryo (braucht man für den Hausbau) über Fisch, Gemüse, Fleisch bis zu "echten" Gucci Taschen. Allerdings lassen sie sich nicht gerne fotografieren, da fliegt einem schon mal eine Kartoffel nach, wenn sie es mitkriegen.
Sehr interessant ist auch der Zentralfriedhof. Dort werden die Leute gerne nach Berufszugehörigkeit begraben. Für die Angestellten der Fluggesellschaft gibt es eine Art Tower, in dem die Urnen begraben werden. Eigenen Mausoleen gibt es natürlich für die Soldaten, aber auch für die Kriminalpolizei.
Im Mai wurde die neue Seilbahn von La Paz hinauf nach El Alto eingeweiht, gebaut natürlich von Doppelmayr. Für umgerechnet 66 Cent kann man die ca. 500 Höhenmeter bei herrlichstem Panoramablick hin und zurück überwinden. Da sollten sich unsere Liftbetreiber mal ein Beispiel nehmen. Von dort oben kann man die ganze Stadt überblicken und hat einen herrlichen Ausblick auf den 6462 m hohen Illamani, im Süden der Stadt.
In El Alto lebt hauptsächlich die indigene Bevölkerung und so sind die Straßenzüge eher ärmlich. Heute fand aber ein großes Fest zu Ehren San Nicolas statt, der Schutzheilige der Bäcker. Überall festlich herausgeputzte Cholas, Musikgruppen, die vor allem laut waren, Bier floss in Strömen und der Schutzpatron ist offensichtlich auch Stärkerem nicht abgeneigt, denn links und rechts von seinem kleinen Altar stehen zwei Johnnie Walker Flaschen. Der Mensch lebt schließlich nicht von Brot allein.
Wieder zurück in der unteren Stadt ging es zur Plaza Murillo, wo sich die imposanten und gut renovierten (zumindest von vorn) Regierungsgebäude befinden. Herr Chavez hat ja in Venezuela die Zeitzone um eine halbe Stunde von der üblichen verschoben, hier lassen sie, ähnlich wie bei uns in Bayern, die Uhr gleich andersrum gehen. Warum konnte ich leider noch nicht heraus finden.











Dienstag, 9. September 2014

La Paz, Bolivien

Nach rund 26 Stunden, gerechnet von Tür zur Tür, sind wir endlich in Boliviens Hauptstadt angekommen. Der Flug über Frankfurt, Bogota nach La Paz verlief ganz problemlos, wir konnten unser Gepäck von München aus durchchecken, läuft heute alles am Automaten und damit ungefähr 10 mal so schnell wie früher. Da wir mitten in der Nacht angekommen sind, hatte ich unsere Unterkunft Estrella Andina www.estrellaandina.com schon vorbestellt. Vom 4100 m hoch gelegenen Flughafen ging es mit dem Taxi in die untere Stadt, aber 3600 m sind auch noch ganz schön hoch und die Luft entsprechend dünn (und kalt). Und so verlief der heutige Tag erst mal sehr ruhig, ausschlafen, frühstücken, dann mal die Hauptstraße gemütlich runterschlendern. Gleich bei uns ums Eck ist der Hexenmarkt, wo die Cholas in ihrer typischen Tracht aus zig Röcken und einem viel zu kleinen Hut allerlei Amulette, Kräuter oder Wunderpulver verkaufen. Da die 850.000 Einwohner Stadt in einem Bergkessel liegt, geht es ständig rauf oder runter. Wir japsen nach Luft und der Kopf fühlt sich nach durchzechter Nacht an. Wir hoffen auf die Kraft der Coca Blätter, damit morgen etwas mehr Sightseeing gemacht werden kann

Unser Frühstücksraum

Unser Zimmer

Coca Blätter

Hexenmarkt

Kirche San Francisco

Cholas

Hexenmarkt

Sonntag, 31. August 2014

Bolivien-Peru

Die nächste große Reise steht an. Bolivien und Peru, d.h. kleine Teile davon. Diesmal leider nicht mit dem Fahrrad sondern mit Rucksack und Bus, dazwischen mehrere ein- bis viertägige Wanderungen. Bin schon gespannt wie das wird. Auf jeden Fall heißt es noch genauer überlegen, was man mitnimmt.
Unter diesem link könnt ihr die geplante Route einsehen: https://mapsengine.google.com/map/edit?authuser=0&authuser=0&hl=de&hl=de&mid=zGH4hOoP5AD0.kZN3dibPz5pk
Allein die Busstrecken belaufen sich auf ca. 2300 km, das wäre mit dem Rad in vier Wochen kaum zu schaffen, schließlich bewegen wir uns die meiste Zeit auf 3000 bis 4000 m Höhe, und selbst wenn, könnten wir außer strampeln, strampeln und noch mal strampeln nichts mehr machen, also bleiben die Räder schweren Herzens zurück. Aber man muss ja schließlich auch mal was anderes machen.
Wanderungen sind geplant bei La Paz, Isla del Sol am Titicaca See, im Colca Canyon, zum Machu Picchu (auf dem Ollantaytambo Trek) und im Manu Nationalpark. Wenn wir mit der dünnen Luft gut zurecht kommen werden wir vielleicht noch einen Gipfel in Angriff nehmen, aber das entscheiden wir nach Lust und Laune vor Ort.
Jetzt können wir nur hoffen, dass die Lufthansa ihre Streikdrohungen nicht wahr macht und uns pünktlich und sicher nach La Paz fliegt.

Blick aus dem tren a las nubes

kleiner Imbiss zwischendurch

Quebrada de la Fechas